Robo-Advisors auf dem Vormarsch

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Robo-Advisors
Quelle: pixabay.com/binary-1327492_1920

Ein Gastbeitrag über das Thema „Robo-Advisors“ , verfasst von Alexander Voigt, Gründer der Website GELDz.de

Die Digitalisierung der Vermögensverwaltung – Hier kommt Robin!

Die Digitalisierung macht auch vor der Finanzbranche nicht Halt. Bereits in der Studie „Retail-Banking: Die Digitale Herausforderung“ subsummierte die Firma Bain & Company im Jahre 2012:

„Banken, die vor ihren Konkurrenten eine digitale Strategie umsetzen, können mit einem hohen „First-Mover-Advantage“ rechnen. Der Vorsprung der digitalen Pioniere beruht auf deren Wissensvorsprung infolge permanenter Lerneffekte sowie den schon erfolgten organisatorischen und kulturellen Veränderungen. Wenn Nachzügler unter Druck aufzuholen versuchen, laufen sie eher Gefahr, im Wettbewerb zurückzufallen.“

Das sich die Einschätzung von Bain & Company nicht nur für das Segment des standardisierten Privatkundengeschäfts als richtig erweist, sondern sich ebenso auf moderne Segmente übertragen lässt, zeigt die aktuelle Entwicklung im Bereich der digitalen Geldanlage. Denn die Branche der Robo-Advisors bewegt sich von einem Rekord zum nächsten. Und so ist es wenig verwunderlich, dass das durch die 10 größten Robo-Advisors verwaltete Vermögen in 2017 einen neuen Höchststand erreichte.

Von 1,2 Milliarden in 2017 auf 5 Milliarden Euro in 2018

Robo-Advisors sind digitale Vermögensverwalter, die insbesondere seit 2015 Jahr für Jahr an Beliebtheit gewinnen und im Jahr 2017 einen neuen Meilenstein absolvierten.

So wurden durch die 10 größten Robo-Advisors im Jahr 2017 erstmals mehr als 1 Milliarde Euro Vermögen verwaltet. Doch hier ist längst nicht Ende der Fahnenstange. Für das Jahr 2018 erwartet die Deutsche Bank, dass der Mark für die digitale Vermögensverwaltung auf bis zu 5 Milliarden Euro anwachsen kann.

Das selbstgesteckte Ziel, davon 1 Milliarde Euro mit dem hauseigenen Robo-Advisor „Robin“ zu verwalten, zeigt ganz klar, dass wir hier nicht nur über einen temporären Hype, sondern die Zukunft der Geldanlage reden. Die Deutsche Bank hat das Feld der digitalen Vermögensberatung bislang Konkurrenten wie Scalable Capital, growney und fintego überlassen. Das hat sich geändert, die Deutsche Bank hat den Trend erkannt und möchte sich als einer der Marktführer etablieren. Die Kunden der Deutschen Bank können seit 2017 mit einer Mindestanlage von 5.000 Euro und einer Gebühr von 0,8% bis 1% p.A. den Einstieg im hauseigenen Robo-Advisor Service wagen und ihr Geld verwalten lassen.

Die Deutsche Bank hat gute Chancen, die selbst gesteckten Ziele zu erreichen. Denn der Markt ist noch nicht gesättigt und so ist es hoch wahrscheinlich, dass Kunden die z.B. bislang in einzelne Fonds oder Aktien investierten, zukünftig „Robin“ mit der Auswahl der passenden Anlageprodukte beauftragen.

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Algorithmen statt Emotionen

Ein Grund dafür, dass viele Privatanleger mit eigens getätigten Investitionen scheitern, ist die emotionale Komponente bei der Auswahl der Wertpapiere. Es ist nicht immer fehlendes Know How oder Unerfahrenheit der Anleger, sondern in vielen Fällen schlicht und ergreifend der Faktor Zeit, der dazu führt, dass eine Wahl getroffen wird, die nie hätte getroffen werden sollen.

Und genau hier greifen die Robo-Advisors an. Teils selbstlernende Algorithmen übernehmen die Auswahl der Wertpapiere, in die investiert wird. Vorbei die Zeit, in der Vermögensverwalter aus Fleisch und Blut für ihre Kunden mehr oder minder komplexe Entscheidungen darüber trafen, was wann wie gekauft und verkauft werden soll.

Ein Robo-Advisor investiert nicht in einzelne Aktien, sondern vielmehr in Exchange Traded Funds (ETFs). Auch wird größtenteils auf die Einbindung von aktiv gemanagten Fonds verzichtet, da die Verwaltungsgebühren bei diesen Fonds zu hoch sind und die Kostenersparnis gegenüber einer klassischen Vermögensverwaltung nicht mehr so hoch ist.

Damit sind wir bei einem weiteren wichtigen Aspekt. Denn nicht nur die auf Algorithmen beruhenden Kauf- und Verkaufsentscheidungen klingen verlockend, auch die Gebührenstruktur ist deutlich besser.

Wie bereits erwähnt wird die Deutsche Bank mit „Robin“ pro Jahr zwischen 0,8% und 1% Gebühren bezogen auf die Anlagesumme erheben, was auch etwa dem Durchschnitt am Markt entspricht. Doch das ist noch nicht das untere Ende. Denn es sind auch Verwaltungsgebühren unterhalb von 0,5% p.A. beim Einstieg in die Welt der digitalen Vermögensverwaltung möglich.

Auch hier gilt das Motto „Holzauge, sei wachsam„. Denn ein prominent platzierter, sofort zu erkennender und durchaus attraktiv anmutender Prozentsatz bedeutet noch lange nicht, dass das Angebot ein wirklich gutes ist.

Mindestanlagesummen und jährliche Verwaltungsgebühren

Die Gebühren für den Robo-Advisor-Service hängen in vielen Fällen unmittelbar mit der Summe des verwalteten Vermögens zusammen. Und nur mit hohem Anlagevolumen lässt  sich eine niedrige Verwaltungsgebühr unterhalb der 0,5%-Marke erreichen. Doch 50.000 Euro sollte man hierfür schon mitbringen, andernfalls sind Gebühren zwischen 0,75% und 1,2% pro Jahr üblich und realistisch.

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Perspektivisch wird sich an der Gebührenstruktur nicht viel ändern. Die Verwaltungskosten werden nicht steigen, da die Konkurrenz im Segment wächst. Und viel Luft nach unten gibt es auch nicht, da Robo-Advisors von Haus aus bereits mit minimalen Fixkosten arbeiten. So beschäftigt Scalable Capital trotz seiner Marktführerschaft aktuell nur 70 Mitarbeiter in London und München. Gemessen an den derzeit verwalteten „Assets under Management“ von über 500 Mio. EUR eine durchaus beachtliche Ratio.

Wie Erik Podzuweit, Gründer und Geschäftsführer von Scalable Capital jüngst in einem Interview sagte, liegt Scalable Capital mit einer jährlichen All-in-Gebühr von 0,75% in einem durchaus attraktiven Bereich.

Ein Kostenfaktor der bei allen Robo-Advisors hinzukommt, sind die ETF-Gebühren, die üblicherweise separat vom ETF-Anbieter erhoben und direkt in den ETF-Kurswert eingepreist werden. Diese sind von ETF-Anbieter zu ETF-Anbieter unterschiedlich, üblicherweise jedoch im Bereich von 0,15% bis 0,3% p.A. Die Gesamtkosten für die Verwaltung des Vermögens durch einen Robo-Advisor liegen je nach Anlagesumme und Anbieter also bei durchschnittlich 0,65% bis 1,25% pro Jahr.

Fazit

Zum eigenverantwortlichen Management seiner Finanzen gehört auch, sich über neue Trends zu informieren und stets ein wachsames Auge auf die Gebührenstrukturen zu haben. Mit der Verwaltung des eigenen Vermögens durch einen Robo-Advisor lassen sich Zeit, Nerven und Geld sparen. Als einziges Manko erscheint derzeit die Tatsache, dass sich die Robo-Advisors inmitten der aktuellen Börseneuphorie etablierten. Folglich gibt es noch keinerlei Erfahrungswerte darüber, was bei mittelfristigen stagnierenden oder stark fallenden Märkten im Robo-Advisor-Portfolio passiert.

Fakt ist jedoch auch, dass durch die Investition in Index-Fonds keine überproportional schlechteren Verläufe in Relation zu den Hauptindizes zu erwarten sind. In jedem Fall ist es eine gute Idee, sich ausführlich mit den Angeboten der einzelnen Robo-Advisors zu beschäftigen. In Hinblick auf die Gebühren lässt sich von Anbieter zu Anbieter nicht viel sparen. Die wesentlichen Unterschiede bestehen eher bei den Mindestanlagesummen. Von 1 Euro bis 100.000 Euro Mindestanlage ist derzeit alles möglich.

Hast Du irgendwelche Fragen zum Thema „Robo-Advisors„? Dann lass sie uns in den Kommentaren hören!

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