Das Konzept der Sicherheitsmarge

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Sicherheitsmarge
Quelle: pixabay.com/werner22brigitte

Was ist die Sicherheitsmarge?

Das Konzept der „Sicherheitsmarge“ stammt aus Benjamin Grahams frühesten Lehren und ist ein zentraler Grundsatz des Value Investing.

Wie Graham im letzten Kapitel seines Buches Intelligent Investieren schrieb (Kapitel 20: „Sicherheitsmarge“ als zentrales Investitionskonzept):

Angesichts der Herausforderung, nämlich das Geheimnis erfolgreicher Kapitalanlage in Worten zusammenzufassen, so versuchen wir es mit dem Motto: „Margin of Safety – zu Deutsch: Sicherheitsspanne“.

Die Schönheit der „Sicherheitsmarge“ liegt sowohl in der Einfachheit des Konzepts als auch in seiner Effektivität, Investoren vor großen Fehlern zu bewahren.

Graham war wirklich ein Vorreiter des Behavioral Finance, bevor Behavioral Finance überhaupt eine Sache war. Das Konzept der Sicherheitsmarge war eines der ersten Werkzeuge, dass es Investoren erlaubte, ihre eigenen Befangenheiten zu überwinden und einen Schutz gegen das „Unbekannte Unwissen“ einer Investition zu schaffen.

So was bedeutet jetzt überhaupt die Sicherheitsmarge?

Die Sicherheitsmarge ist als ein sehr einfaches Konzept zu verstehen.

Benjamin Graham weist daraufhin, dass alle erfahrenen Investoren erkennen, dass das Sicherheitsmargenkonzept für die Auswahl von soliden Anleihen entscheidend ist.

Wenn Du zum Beispiel in eine Anleihe investierst, dann möchtest Du wahrscheinlich sicherstellen, dass das Unternehmen in der Vergangenheit genügend Cashflow generiert hat, um Zinszahlungen und andere Fixkosten 3-mal, 4-mal oder sogar 5-mal im Jahr zahlen zu können.

Benjamin Graham fährt wie folgt fort:

Genau diese Fähigkeit, Geld über den Zinsanforderungen hinaus zu verdienen, stellt die Sicherheitsmarge dar. Die zum Schutz der Anleger gegenüber Verluste oder Unannehmlichkeiten bei einem zukünftigen Rückgang des Nettoeinkommens gezählt wird. Die Marge inklusive Gebühren kann auf eine andere Weise angegeben werden. Zum Beispiel anhand eines Prozentsatzes, bei welchem die Erlöse oder Gewinne zurückgehen können bevor das Zinsgleichgewicht verschwindet, aber der zugrundeliegende Gedanke bleibt derselbe.

Das macht Sinn, oder?

Eine Bank würde dir auch kein Geld leihen, wenn Du nur monatlich die Zinsen bezahlen könntest. Sie wollen auch eine Sicherheit haben, falls etwas in der Zukunft schief geht. Zum Beispiel Du verlierst deinen Job oder Du wirst sehr krank.

Benjamin Graham nahm dieses einfache Konzept und wandte es bei allen Vermögenswerten, einschließlich Aktien an.

Laut Benjamin Graham:

Die Funktion der Sicherheitsmarge besteht im Grunde darin, eine genaue Einschätzung der Zukunft unnötig zu machen. Wenn die Marge groß genug ist, dann reicht es aus, dass die zukünftigen Erträge nicht weit unter die Erträge der Vergangenheit fallen, damit ein Anleger ausreichend gegen den Wandel der Zeit geschützt ist.

Sicherheitsmarge

Warren Buffetts Brücken-Analogie

Warren Buffett – Benjamin Grahams berühmtester und erfolgreichster Schüler, vergleicht die Sicherheitsmarge mit dem Fahren über eine Brücke:

Du musst über ein Wissen verfügen, mit dem Du eine sehr allgemeine Einschätzung über den Wert des zugrundeliegenden Geschäfts machen kannst. Das hat Benjamin Graham mit einer Sicherheitsmarge gemeint. Du versuchst nicht ein Unternehmen mit einem Wert von 83 Mio. US-Dollar für 80 Mio. US-Dollar zu kaufen. Du lässt dir einen enormen Spielraum. Wenn du eine Brücke baust, dann bestehst Du darauf, dass sie 30.000 Pfund (1 Pfund ≈ 0,45 kg) tragen kann, aber Du fährst nur mit einem 10.000 Pfund schweren Lastwagen darüber. Und das gleiche Prinzip funktioniert beim Investieren.

Ich liebe diese Analogie und Warren Buffett hat sie mehrmals verwendet:

Wenn Du ein Geschäft und deren Zukunft perfekt verstanden hast, benötigst du sehr wenig in Bezug auf eine Sicherheitsmarge. Je wunderbarer das Geschäft ist, desto größer ist der Sicherheitsspielraum, den Du benötigst. Vorausgesetzt, Du möchtest immer noch in das Unternehmen investieren. Wenn Du mit einem Lastwagen über eine Brücke fährst, die 10.000 Pfund Last halten kann, aber dein Fahrzeug wiegt 9.800 Pfund und die Brücke bedeckt einen Spalt von 6 Zoll (1 Zoll ≈ 2,54 cm), dann kannst Du dich in Sicherheit fühlen. Aber wenn die Brücke über den Grand Canyon gespannt ist, dann könnte es sein, dass Du einen etwas größeren Sicherheitsabstand haben willst.

Was ist die Sicherheitsmarge nach Seth Klarman?

Der legendäre Value Investor und Gründer des Hedge Fonds „Baupost Group“, Seth Klarman (siehe Ben Grahams Value Investing Familie) veröffentlichte 1991 ein ganzes Buch zum Thema: Margin of Safety: Risk-Averse Value Investing Strategies for the Troughtful Investor.

Das Buch ist übrigens vergriffen, wird aber derzeit bei eBay und Amazon für über 1.000 Euro verkauft.

Laut Klarman:

Eine Sicherheitsmarge wird erreicht, wenn Wertpapiere zu Preisen gekauft werden, die ausreichend unter dem zugrunde liegenden Wert liegen, um menschliches Versagen, Pech oder extreme Volatilität in einer komplexen, unvorhersehbaren und sich rasch verändernden Welt zu ermöglichen.

Und wie denkt Klarman darüber, dass intelligente Value-Investoren sicherstellen können, dass sie eine Sicherheitsmarge besitzen?

Indem Sie immer mit einem signifikanten Abschlag zum zugrunde liegenden Unternehmenswert kaufen und materielle Vermögenswerte gegenüber immateriellen Werten bevorzugen. (Dies bedeutet nicht, dass es in Unternehmen mit wertvollen immateriellen Anlagen keine hervorragenden Investitionsmöglichkeiten gibt.)  Da Anleger nicht vorhersagen können, wann Werte steigen oder fallen, sollte die Bewertung immer konservativ erfolgen, wobei dem Worst-Case-Liquidationswert ebenfalls ein erhebliches Gewicht beigemessen wird wie zu anderen Methoden.

Sicherheitsmarge

In der Einleitung zu Intelligent Investieren schreibt Benjamin Graham:

Was also wollen wir mit diesem Buch wirklich erreichen? Unser Hauptziel wird sein, den Leser davor zu schützen, in Bereiche zu geraten, in denen er sich erheblich irren kann und ihm helfen, Strategien zu entwickeln, mit denen er sich wohlfühlen wird. Wir werden etwas über die Psychologie der Investoren sagen. Denn tatsächlich ist das größte Problem eines Investors – und auch sein schlimmster Feind – wahrscheinlich er selbst. „Der Fehler, lieber Investor, liegt nicht in unseren Sternen – und auch nicht bei unseren Aktien -, sondern bei uns selbst.“

Die Sicherheitsmarge – eines der Kernprinzipien des Value Investing – erfüllt genau dies und schützt uns sowohl vor uns selbst als auch vor unvorhergesehenen Ereignissen, die die „Sterne“ über unsere Investitionen in die unvorhersehbare Zukunft hinauswerfen könnten.


Intelligent Investieren: Der Bestseller über die richtige Anlagestrategie
  • Benjamin Graham
  • Herausgeber: FinanzBuch Verlag
  • Auflage Nr. 6 (03.05.2013)
  • Gebundene Ausgabe: 640 Seiten

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