Woran kann man ein gutes Management erkennen?

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gutes Management
Quelle: snapwiresnaps.tumblr.com

Die Jungs von Bavarian Value beschreiben in ihren Gastartikel, woran du ein gutes Mangement erkennen kannst.

Woran kann man ein gutes Management erkennen?

Viele Value Investoren machen ihre Investitionsentscheidungen unter anderem von der Qualität des Managements abhängig.

Warren Buffett: “When we own portions of outstanding businesses with outstanding managements, our favorite holding period is forever.”

Doch für viele von uns ist es nicht leicht mit dem Top-Management der interessanten Konzerne ins Gespräch zu kommen. Daher müssen wir auf andere Kriterien zurückgreifen um ein gutes Management identifizieren zu können.

Was macht ein gutes Management aus?

Warren Buffett stellt sich hierzu drei grundlegende Fragen:

  1. Ist das Management rational?
  2. Ist das Management aufrichtig zu seinen Aktionären?
  3. Widersteht das Management dem institutionellen Imperativ?

(Vgl. Robert G. Hagstrom: Warren Buffett: Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.)

Dabei möchte Buffett Manager finden, die wie Eigentümer denken und somit immer den Shareholder-Value im Blick haben.

Alles schön und gut, doch wie beantwortet man diese drei Fragen? Wir würden diese Fragen aus zwei verschiedenen Richtungen angehen.

Sind die Manager gute Kapitalallokatoren?

Die Kapitalallokation ist die „Zuordnung von Kapital, zumeist Eigenkapital, auf einzelne Unternehmensbereiche.“ (Vgl. versicherungsmagazin.de: https://www.versicherungsmagazin.de/lexikon/kapitalallokation-1945634.html)

Gute und schlechte Kapitalallokation lässt sich einfach trennen. Gute Kapitalallokatoren setzen den Cashflow des Unternehmens in wachsenden und profitablen Unternehmensbereichen ein, schlechte Kapitalallokatoren verbrennen das Geld in unrentablen Geschäftsbereichen.

Ein Management, welches aus guten Kapitalallokatoren besteht, schafft es somit den Shareholder-Value schnell zu steigern. Man kann bei guten Kapitalallokatoren davon ausgehen, dass sie rational handeln und dem institutionellen Imperativ widerstehen können. Als institutionellen Imperativ ist nebenbei erwähnt „die lemmingartige Tendenz von Managern, das Verhalten anderer nachzuahmen, wie dumm oder irrational es auch sein mag“ (Vgl. Robert G. Hagstrom: Warren Buffett: Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.) gemeint.

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Wie lässt sich die Fähigkeit der Kapitalallokation nun erkennen oder gar messen? Ein unserer Meinung nach guter Indikator ist die Eigenkapitalrendite. Eine konstant hohe und über die Jahre hinweg steigende Eigenkapitalrendite deutet auf gewisse Fähigkeiten des Managements im Bereich der Kapitalallokation hin. Zusätzlich kann die Eigenkapitalrendite als die „Verzinsung“ des Kapitals der Aktionäre betrachtet werden und lässt somit Rückschlüsse auf die Entwicklung des Shareholder-Values zu.

Auch der Einsatz des Cashflows für Aktienrückkaufe kann hier zur Bewertung hinzugezogen werden. Es gibt gute und schlechte Zeitpunkte für Aktienrückkaufe. Sind die Aktien des eigenen Unternehmens derzeit günstig auf dem Markt, macht ein Aktienrückkaufprogramm Sinn. Sind die Aktien jedoch maßlos überbewertet, würde ein Aktienrückkaufprogramm eher den Shareholder-Value zerstören. Ein gutes Management kann zwischen einem guten und einem schlechten Aktienrückkaufprogramm unterscheiden.

Welchen psychologischen Anreizsystemen unterliegt das Management?

Die Frage mit der Aufrichtigkeit der Geschäftsleitung ist eher schwierig zu beantworten. Generell empfiehlt sich hier die Briefe an die Aktionäre am Anfang der Geschäftsberichte oder Annual Reports zu lesen und diese auch mit Früheren zu vergleichen. Wurden Fehler offen angesprochen? Wurden Dinge, die angekündigt wurden, auch umgesetzt? Trotzdem bleibt die Einschätzung wahrscheinlich immer leicht schwammig.

Jedoch lässt sich die Frage der Aufrichtigkeit auch etwas umgehen. Denn wenn das Interesse der Geschäftsführung von Anfang an auch dem Interesse der Aktionäre entspricht, kann man davon ausgehen, dass das Management aktionärsfreundliche Entscheidungen trifft, Fehler analysiert und das Beste für die Eigentümer des Unternehmens erreichen möchte. Das ist der Fall, wenn die Manager des Unternehmens selbst auch Aktionäre sind.

Deswegen lohnt es sich immer die Aktionärsstruktur des Unternehmens und den Aktienbesitz des Top-Managements anzusehen. Wir sprechen hier nicht von Alibi-Aktien im Wert von 500 €. Es ist für Investoren immer gut, wenn ein „gewaltiger“ Teil des Vermögens der leitenden Manager in den Aktien des Unternehmens stecken. Wenn die eigene Unternehmensführung selbst zu den größten Aktionären gehört, wird Sie auch eine aktionärsfreundliche Unternehmensführung an den Tag legen, welche sich in Dividendenausschüttungen und sinnvollen Aktienrückkäufen widerspiegelt.   

Familienunternehmen

Bei Familienunternehmen sind die psychologischen Anreize den Shareholder-Value zu steigern am stärksten ausgeprägt. Sie selbst sind ja ein großer Teil der Shareholder. Es wundert somit nicht, dass sich viele erfolgreiche Unternehmen in Familienbesitz befinden. Ein Beispiel hierfür ist das Lachs-Farming Unternehmen Bakkafrost: CEO Regin Jacobsen ist der Sohn des Gründers von Bakkafrost und besitzt 9,2% der ausstehenden Aktien. Auch Oddvor Jacobsen, Mutter von Regin und Witwe von Gründer Hans Jacobsen, besitzt über 9% der Aktien. (Vgl. Bakkafrost: https://www.bakkafrost.com/en/investor-relations/share-information/bakkafrost_major-shareholders/) Bakkafrost erwirtschaftete von Anfang 2016 bis heute seinen Aktionären eine Rendite von über 60%. Regin Jacobsen wurde 2014 zum besten Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens an der Osloer Stock Exchange gewählt. (Vgl. Wikipedia: https://en.wikipedia.org/wiki/Bakkafrost#cite_note-15)

Familienunternehmen sind eine tolle Sache.

Warren Buffett, Bob Iger, Ajaypal Singh Banga und Tim Cook

Der naheliegendste Manager in dieser Aufzählung ist wohl Warren Buffett selbst. Während Berkshire Hathaway noch nie einen einzigen Cent an Dividenden ausgezahlt hat, gibt es wohl in Sachen Kapitalallokation kaum einen Manager der über einen so langen Zeitraum Warren Buffett das Wasser reichen kann. Was ihn so besonders macht ist, dass er seit 1965 durch erfolgreiche Investments eine Rendite von durchschnittlich 20,5% p.a. für die Berkshire-Aktionäre eingefahren hat. (Vgl. Annual Report Berkshire Hathaway 2018) Das ist ein sensationeller Wert. Darüber hinaus kauft er auch eigene Aktien zurück, wenn diese bei ca. 120% des Buchwertes angekommen sind. Er geht also mit gutem Beispiel voran und hält sich an seine weiter oben aufgeführten Bedingungen für gutes Management.

Ein weiterer hervorragender Manager ist Robert „Bob“ Iger, der CEO von Disney. Er ist seit 2005 an der Spitze des Unternehmens. Er hat es nicht nur geschafft das Unternehmen mit den Akquisitionen von Pixar, Marvel, Star Wars und Fox neu auszurichten, sondern steuert das Unternehmen auch gemäß dem Trend zum Streaming in die richtige Richtung. Darüber hinaus gibt es seit Jahren ein fleißiges Aktienrückkaufprogramm, das bei der langen Zeit der Unterbewertung der Disney-Aktie den Aktionären zu Gute kam. Was Iger zusätzlich auszeichnet ist seine offene und ehrliche Kommunikation, gepaart mit einem moralischen und ethischen Kodex. „The 66-year-old executive has earned a reputation as a steady hand in an industry dotted with embarrassing R-rated voice mails and mercurial phone-throwers. “I’m the conscience of the company,” Iger has said. “We don’t have a chief ethics officer, and I consider that one of my responsibilities.”” (Vgl. CNBC: https://www.cnbc.com/2017/05/09/6-lessons-from-disney-ceo-bob-iger-on-creating-corporate-magic.html)

Auch der CEO von Mastercard Ajaypal Singh Banga ist ein gutes Beispiel für hervorragendes Management. Er selbst besitzt über 280.000 Anteile an Mastercard. Man kann davon ausgehen, dass ihm allein dadurch sehr viel am Erfolg des Unternehmens liegt. Seit Banga die Geschicke von Mastercard leitet, steigen sowohl die Gewinne als auch die Dividenden des Unternehmens. In seiner Amtszeit wurden und werden auch fleißig eigene Aktien zurückgekauft.

Seit dem Ableben von Steve Jobs (2011) ist Tim Cook am Ruder von Apple. Er hat diese Funktion auch bereits interimsmäßig übernommen, als Jobs sich Auszeiten aufgrund seiner Krebserkrankung nahm. Auch wenn es Tim Cook nicht gelang Warren Buffett davon zu überzeugen sich ein I-Phone zuzulegen („Tim Cook sent me a Christmas card again … saying he’s going to sell me an iPhone this year,“ Buffet said. „He keeps sending me these reminders every Christmas.“ (Vgl. cnet: https://www.cnet.com/news/iphone-tim-cook-warren-buffet/)) hat er ihn wohl auf anderen Ebenen überzeugt. Steve Jobs war nicht gerade dafür bekannt sich großartig um den Shareholder-Value zu kümmern und deswegen gab es zu seiner Zeit nur recht mäßige Versuche eigene Aktien zurückzukaufen. Seit Tim Cook sieht das Ganze schon anders aus und Aktienrückkäufe trugen einen großen Teil zur Steigerung des Shareholder-Values bei. Außerdem hat Tim Cook einen nicht übersehbaren Anteil an Apple-Aktien von ca. 850.000 Aktien (Stand: August 2018), die heute um die 170 Mio. € wert sind.

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Zusammenfassung

Schlussendlich ist die Beurteilung des Managements für Privatpersonen und Kleinanleger nicht leicht, aber es gibt Möglichkeiten den richtigen Eindruck zu gewinnen.

Wenn man sich mit den Fähigkeiten des Managements in Sachen Kapitalallokation und den psychologischen Anreizsystemen beschäftigt, kann man herausfinden, ob ein Unternehmen rational und im Sinne der Aktionäre geführt wird. Hierbei hilft die Betrachtung der Eigenkapitalrendite und des Aktienbesitzes des Vorstandes, das Lesen der Briefe an die Aktionäre und auch die Bewertung der Aktienrückkäufe und Dividendenausschüttungen. Geht man bei diesen Punkten in die genauere Analyse ist es jedem möglich eine ungefähre Einschätzung über die Qualität des Managements zu erhalten – auch wenn man sich nicht einfach mal mit dem Vorstandsvorsitzenden auf ne Halbe im Biergarten treffen kann.   

Abschließend wünschen wir euch wie immer noch einen schönen Tag und viel Spaß und Erfolg beim Investieren!

Eure freundlichen Value Investoren aus der bayrischen Nachbarschaft

Andreas und Daniel von Bavarian Value

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